Musik die den Grenzen trotzt- Tschechoslowakisches Kammerduo verzaubert Gäste

23.08.2015

Politisch ist eine Wiedervereinigung von Tschechien und der Slowakei kein Thema. Musikalisch funktioniert das hervorragend. Das Tschechoslowakische Kammerduo widmete den Abend ganz der Romantik. Den ersten Teil bestritten die beiden mit Werken von Robert Schumann. Die verspielten "Märchenbilder", Op.113 waren einen ideale Einführung in das weitere Programm, das einer klugen Dramaturgie folgte. Anfänglich hatte das Duo noch kleine Probleme mit Lautstärkeabstimmung der beiden Instrumente, die aber bereits bei der Großen Sonate Nr. 2, Op. 121 überwunden waren. Spätestens mit deren wuchtigem Beginn, präzise und mit Temperament ebenso wie mit kultiviertem Klangbild dargeboten, waren die Zuhörer in den Bann geschlagen. Besonders im zweiten Teil zeigte das Duo dann in Perfektion, dass es sowohl temporeiche Dramatik auf der einen Seite wie leise und zart nuancierte Kompositionen auf der anderen Seite zu meistern verstand. Für letztere stand exemplarisch die Romanze, Op. 2 von Joseph Joachim. Den Gipfel der Virtuosität erklommen die beiden Musiker mit der berühmten Ungarischen Rhapsodie von Franz Liszt. Die ungeheure Spielfreude, die das Duo bei diesem musikalischen Parforceritt zeigte, war einfach hin- und mitreißend, zumal bei allem Temperament und aller Expressivität das Timing, die Intonation und Dynamik immer präzise und auf den Punkt blieben.

Gerrit Gätjens, Marktplatz